Detail
01/11/2019

Wie kann man als Leader die Unternehmenskultur beeinflussen?

Nicht nur der Begriff, sondern auch die Bedeutung der Unternehmenskultur hat in der neuen Arbeitswelt erheblich an Bedeutung gewonnen. Wo noch vor 10 Jahren der Fokus auf Strukturen und Prozessen lag, hat man mittlerweile erkannt, dass die Unternehmenskultur für den Erfolg einer Organisation verantwortlich ist. Glücklicherweise, möchte ich sagen.

Erstmals hat der Psychologieprofessor Edgar Schein in seinem Buch »Organisationskultur & Leadership« im Jahr 1985 über Unternehmenskultur geschrieben: »Culture determines and limits strategy« welches von Peter Drucker zum heutigen ikonischen »Culture eats strategy for breakfast« bekannt geworden ist. Eines der meist verwendeten Zitaten, wenn es um Strategie und Changemanagement geht.

Unternehmenskultur begreifen
Kultur an sich ist etwas sehr Unkonkretes, etwas Nichtgreifbares. Werte, Haltungen und Einstellung der Menschen – nicht nur in Organisationen – sind nichts, was man sich schwarz auf weiss erklären könnte. Sieht man das Ganze in einem unternehmerischen Kontext, sind Verhalten und Handlungen von Menschen entsprechend der Situation und Umgebung angepasst. Im Fokus dabei ist die Beziehungsgestaltung, mit subjektiver Bedeutungsgebung. Unternehmen haben oder machen eine Kultur. Die Mitglieder einer Organisation sind bereits Teil einer Kultur und beziehen sich in ihren Handlungen auf früher gemachte Kulturerfahrungen, nicht auf unbekannte, nicht zugängliche. Genau dieser Aspekt macht es so schwierig, das alte Bekannte loszulassen und sich auf etwas Neues einzustellen.

Unternehmenskultur ist ein Sammelbecken aller weichen Faktoren. Dabei sind Macht, Rollen und Aufgaben eine entscheidende Basis. Unternehmen stützen sich auf Bilder, Geschichten, Symbole und Rituale, um eine Kultur zu verankern.

Der Mensch als treibende Kraft
Hinter einer Unternehmenskultur stehen vermutete und geforderte gemeinsame Basisannahmen über Normen, Beziehungen, Interaktion und Kommunikation. Der Faktor Mensch spielt bei der Arbeit und deren Gelingen eine zentrale Rolle, denn er besetzt soziale Fähigkeiten, Empathie, Leidenschaft und Kreativität. Die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, bestimmt den Erfolgsfaktor, der den Unterschied macht.

Der Trend ist klar: Mitarbeiter wollen ihr Unternehmen aktiv mitgestalten. Offene Kommunikation und eine konsistente, authentische Unternehmensdarstellung sind effektive Massnahmen, um die Unternehmenskultur zu fördern.

Wer gestaltet nun eine neue Arbeitskultur? Die sogenannte selbstbestimmte Organisation? Es sind die Inhalte von Arbeit, Gestaltungsfreiheit und die Unabhängigkeit, die eine neue Arbeitskultur bringen. Vertrauen statt Kontrolle. Dieses setzt die Selbstständigkeit des Einzelnen voraus und das Bewusstsein dafür, welche Inhalte die eigentliche Arbeit antreiben. Wer so arbeiten möchte, muss wissen, warum. Sollte darüber jemand seine Selbstständigkeit entdecken und seine Arbeit entsprechend über Inhalte definieren, muss das zu Anerkennung führen.

Welche Absicht steckt hinter diesem Wunsch?
Jede gesunde Unternehmenskultur verfolgt einen Purpose. Gibt es keinen Purpose (Bedeutung), gibt es auch keine Arbeit. Alles an Arbeit, Zeit und Kreativität aller Beteiligten, die Projekte erfolgreich machen, muss Anerkennung finden. Und zwar nicht nur in Form von Bezahlung, sondern auch in Form von Respekt und Weiterentwicklung (Empowerment). Es ist wichtig, sich als Leader Gedanken darüber zu machen, welche Unternehmens- und damit Arbeitskultur man selbst mitgestalten möchte.

Im Kern geht es darum, dass Arbeit Spass macht und sinnstiftend ist. Durch Anerkennung und Lob wird der Selbstwert gesteigert. Handlungsspielräume werden klar definiert. Zusammenarbeit wird gefördert. Das zu tun, was sinnvoll ist. Denn letztendlich kann nur derjenige am besten all sein Wissen und Können im Unternehmen einbringen, der sich gut mit ihm identifiziert und seine Werte im beruflichen Kontext »leben« kann.

Eine lernende Organisation als Basis
Unternehmen stehen heute vor der grossen Herausforderung, Zusammenarbeit effektiv und attraktiv zu gestalten, um mit echten Talenten innovative Angebote entwickeln zu können und diese auf den Markt zu bringen: Eine Organisation, die gut darin ist, mit immer wechselnden Bedingungen umzugehen. Der Grund für Erfolg ist nicht eine andere Unternehmenskultur, sondern die Haltung und Fähigkeit, sich andauernd zu hinterfragen, anzupassen und zu entwickeln.

Back